Test - VW Golf
Der iGolf
Evolution statt Revolution: Auch nach der neusten Schönheits-OP bleibt der VW Golf ein Golf. Echte Innovationen finden sich im Interieur – und haben ihren Preis.
30.11.2012 Timothy Pfannkuchen
Wischen, Scrollen, Spreizen: Nun ist selbst
der unverwüstliche VW Golf – in der Schweiz
seit mittlerweile 36 Jahren (!) Bestseller und Massstab der Kompaktliga – im iZeitalter angekommen.
Wer im Golf VII Multimedia bestellt, bringt den Nachbarn zum Staunen: Das Display lässt sich wie ein iPad bedienen, und das Menü aktiviert sich erst bei Annäherung der Hand. Seien wir ehrlich: Dieser Neid des Nachbarn ist unbezahlbar für unser Auto-Ego. Und definiert nebenbei gleich den neuen Klassen-Standard.
Innere Werte

Heimliches Highlight: das Touch-Display.
Neid muss sich ein Golf eben innen erarbeiten. Denn aussen reizt auch Nummer sieben kaum zum Gucken. Immerhin stehen ihm die Kanten und flachere Linie gut: Er hat an Charakter gewonnen.
Wirklich einen Unterschied macht das Cockpit: Es bleibt brav, ist aber dennoch stylischer – und vor allem bis ins Detail qualitativ an der Grenze zur Oberklasse. Die Anfassqualität der Materialien ist nicht mehr von dieser Kompaktwagenwelt – Respekt! Sehr gut fallen neben den Sitzen auch das gewachsene Raumangebot im Fond und Laderaum (380–1‘270 Liter) aus.
Die Konkurrenten des neuen Golfs:
Citroën C4 - Optische Abmagerungskur
Lexus CT 200h - Von brillant zu bieder?
Volvo V40 - Sicher unterwegs
Meckern im Detail

Auffälligste optische Änderung: der neue Golf wirkt flacher als seine Vorgänger.
Tatsächlich finden wir am Ende genau drei Details zum Meckern. Die Variabilität bleibt Golf-typisch, sprich: Er speist uns mit umlegbaren Fondlehnen ab, die nicht mal ganz eben liegen. Zu viele kleine Lenkradtasten nerven, die Aussenspiegel sind ebenfalls zu klein. Das war’s mit Kritik.
Das Fahrwerk hinterlässt im besten Sinne keinen bleibenden Eindruck, weil es alles gleichermassen perfekt beherrscht: Dank weniger Gewicht federt er lebendiger und straffer, aber sehr komfortabel.
DSG hurra!
Beim Antrieb geht das nahtlos weiter. Im Testwagen, einem 2.0 TDI mit 150 PS und DSG, macht der R4-Diesel, was er soll: Deftig ziehen und vernehmlich, aber nie zu laut nageln, derweil der in der City endlich harmonischere
DSG-Automat die Gänge durchklickt.
Die Daten: 320 NM Drehmoment bei 1750-3000 U/min, 100 km/h in 8,6 Sekunden, Spitze 212 km/h und
ein Durst laut Werk bzw. im Test von 4,5 bzw. 6,4 Liter auf 100 km.
Golf wird Premium

Stolzer Preis: Der Test-Golf kostet 47'000 Franken.
Langweilig finden darf man es, das immer gleiche Erfolgsrezept „Evolution statt Revolution“. Aber objektiv bleibt der Golf schlicht das beste Auto dieser Klasse. Andere sind
geräumiger,
dynamischer oder
günstiger – aber alles auf sehr hohem Niveau gleichzeitig packt (
mal abgesehen von Luxusflitzern wie Audi A3 & Co.) nur der Golf.
Dafür lässt uns Volkswagen unvolkstümlich bluten: Die Preise starten bei 24’400 Franken, den 2.0 TDI DSG gibt's ab 39'700 Franken. Fünf statt drei Türen kosten schon 1‘250 Franken mehr und jede Lackfarbe ausser Grau extra. Am Ende liegt der Test-TDI bei fast 47'000 Franken. Das nennt man
„Premiumstrategie“.
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