Test – Chevrolet Camaro Cabrio

Chevrolet Camaro Cabrio
 
 

 

 


Coolness XXL
Endlich wummert der neue Camaro offiziell und europäisiert zu uns – auch als Cabrioversion: Es lockt die grosse Coolness zum verblüffend kleinen Preis.
25.05.2012 Timothy Pfannkuchen




Kennen wir uns nicht? Aber klar – schliesslich ist der Chevrolet Camaro in Amerika seit drei Jahren zu haben und bei uns dank Direktimporten kein Unbekannter.

Doch auch die offizielle Europaversion (erkennbar an LED-Heckleuchten) ist als Coupé wie neues Cabrio nach wie vor ein Showstück erster Güte. Statt Notalgiekitsch gibt es eine Neuinterpretation des Originals von 1969; mit dicken Backen, erotischem Hüftschwung und verschwenderischen Muskeln, ohne vulgär oder fett zu wirken.

Cockpit mit „c“ wie „cool“
Chevrolet Camaro Cabrio
Das Interieur passt optisch, fühlt sich aber eher zweckmässig an.
Cool ist er, auch innen. Die Sessel sind bequem, nur die Materialien eher hübsch anzusehen als anzufassen. Doch wie in allen neuen Amis schütteln Schlaglöcher keine Halteclips mehr aus den Panelen: Alles ist gut verarbeitet, und zudem ist die Karosserie meist zitterfrei.

Der Laderaum ist ausreichend (offen/zu 267/308 Liter). Nur lahmt das elektrische Verdeck etwas, braucht manuelle Entriegelung, und legt ohne die arg fummelige Persenning die Verdeckmechanik unschön frei.

Die Muscle-Car-Konkurrenz:
» Ford Mustang Shelby GT500 - The American Way of Drive
» AC Mk VI - Starkes Comeback
» SRT Viper - Zahme Schlange?

Der Preis ist richtig heiss
Irgendwo will eben gespart sein, aber dafür entfällt der Kniefall in der Hausbank. Um Direktimporten in Europa ein Schnippchen zu schlagen, startet das Cabrio ab 54'490 Franken (mit Automat 56'990 Franken). Klar ist der Camaro in den USA weit günstiger; aber ein Porsche auch.

Die Ausstattung (z.B. Xenon, elektrische Ledersitze, Headupdisplay, Parksensoren oder Rückfahrkamera mit Monitor im Innenrückspiegel) lässt die grosse Coolness zum überaus fairen Tarif anrollen.

Acht (etwas zu) leise Töpfe
Chevrolet Camaro Cabrio
Und Tschüss! Sobald das Drehmoment greift, zieht der Camaro beeindruckend los.
Zwar stammt der 6,2 Liter dicke Achtzylinder von der Corvette, doch Explosionen schierer Power darf man von den 405 PS (mit Schaltgetriebe 27 PS mehr) mit dem 6-Stufen-Automat nicht erwarten. Zwar wuchtet der V8 die 1,9 Tonnen in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und bis 250 km/h Spitze.

Doch bleibt der Antritt kultiviert statt brachial. Die Faszination liegt im enormen Durchzug: Marschieren die 556 NM Drehmoment erst mal, dann marschieren sie gnadenlos. Schade nur, hämmert der V8 irgendwie bei tiefen Touren nicht diabolisch genug. Für den Durst (laut Werk 13,1 Liter/100 km) will man sich fremdschämen: Im Test waren es 14,5 Liter/100 km.

Wunderbar unvernünftig
Letztlich egal, denn die Faszination ist nicht sachlich zu begründen. Zu kritisieren gäbe es so einiges, vom behäbigen Einlenken des in Kehren sperrigen 4,84-Meter-Gleiters bis zu den anpolternden Achsen.

Aber wenn der V8 die hinteren Pneus pfeifen lässt und vier Insassen (hinten mit knappem Raum am Knie) flott durch lange Bögen sausen und ihre Haare im Wind flattern lassen, dann kommt etwas auf, was heute viel zu selten ist: Die Lässigkeit der wunderbaren Unvernunft.

» Chevrolet Camaro Neuwagen
» Chevrolet Camaro Occasionen


Kommentare (19)


suti (31.07.2012 16:27:53)
Der Camaro ist seit langem wieder mal ein Auto, welches sich von den üblichen "moderneren" Einheitsfahrzeugen abhebt und bei uns auf den Strassen herumkurven wird. Und wenn man sieht, wie und mit welchen Vehikeln ausserhalb Europa die Umwelt belastet wird, muss man mit dem V8 sicher kein schlechtes Gewissen haben. Gut, etwas unvernünftig düfte es schon sein. Für mich (Jg. 58) ist der Camaro die Verwirklichung eines Jugendtraumes.
elvis (04.06.2012 12:56:40)
"Klar ist der Camaro in den USA weit günstiger; aber ein Porsche auch."
was ist das für ein argument? das auto hier ist in den usa 30'000$.damit ist es eines der billigsten cabrios.
und damit sollte auch die qualität klar sein: billiger geht's nicht...
ausserdem ist es ein gutes auto für einen tag: da macht es spass, es auf der geraden ein paar mal krachen zu lassen. das wird so schnell langweilig, dass man nur noch cruised und dafür braucht man 100ps...
cu (01.06.2012 18:07:48)
@Max

Gut also Gebriebe und Motor halten in der Regel ja Jahrzehntelang(bei vernünftigem Umgan und Pflege) Zudem kennen die Amis im Gegensatz zu vielen Europäern den Rost nur vom Hörensagen. Und auch die Elektronik ist ja bei den Europäern auch häufig ein Sorgenkind. Dass z.B. die Kunststoffqualität im Innenraum nicht mit einem wesentlich teureren Mercedes mithalten kann, liegt wohl auf der Hand. Bei meinem 30-jährigen Oldsmobile funktionierten viel Originalteile noch tadellos. Rost? Kaum..
Max (01.06.2012 05:51:20)
Ich lebe nun seit 6 Jahren in Nord Amerika und hatte mehrere verschiedene Amischlitten, leider muss ich sagen das im Vergleich zu EU oder Jap Autos, die Amis eher schrott sind. Sehr viele Teile versagen schon nach kurzer Zeit, hier ist die nicht so schlimm, da die teile sehr billig sind, aber in der Schweiz wird es schnell teuer, und die 420PS billig Maschine wird schnell zum CHF100,000 Auto. Das naechste Problem ist, dass Europaeische Strassen mehr Kurven haben, Camaros haben dies nicht so gern
cu (31.05.2012 14:31:43)
@Fahrfinger

Der Punkt ist, dass es den V8 - und das ist halt bei diesen Fahrzeugen seit Jahrzenten d e r Motor - gar nicht mit weniger Leistung gibt. Das ist der Basis V8..Und eben, beim vernünftigen cruisen oder längeren Autobahnfahrten liegt der Verbrauch wohl einiges näher bei 10 Litern als bei 14 Litern..
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