AUDI SQ7 - Ein Schrank treibt Sport

Audi überarbeitet die seit 2016 erhältliche Sportversion seines Fullsize SUV Q7. Neben einem optischen Feinschliff schreitet beim SQ7 insbesondere die Digitalisierung voran. Der 4.0-V8 Diesel bleibt hingegen unangetastet, erhält nun aber elektrische Unterstützung.

Der Audi SQ7 in Zahlen

  • Motor: 4.0-Liter V8 Biturbodiesel mit (435 PS) / 900 Nm
  • Antrieb: Allrad
  • Getriebe: 8-Gang Automatik
  • Fahrleistungen: 0-100 km/h in 4,8 s, Spitze 250 km/h
  • Masse: Gewicht 2705 kg, Kofferraum 865 und 2050 l
  • Verbrauch: Werk 9,6 Liter, Testverbrauch 8,5 Liter
  • Testwagenpreis: 150’537 Franken
  • Basispreis: ab 113’400 Franken
  • Konkurrenten: BMW X?
  • Stand: 25.05.2020

Wem der Audi SQ7 gefällt

Viel Platz, Technik und Power – der Audi SQ7 ist jenen ans Herz zu legen, die mehr wollen – und bereit sind entsprechend mehr zu bezahlen.

Wendiger Schrank

«Unglaublich», raunt es von der Rückbank, als sich der über fünf Meter lange und beinahe zwei Meter breite SUV beinahe auf der Stelle wendet. Für die gefühlte Pirouette ist die Allradlenkung verantwortlich. Essenziell ist diese nicht, haben will man sie trotzdem – und muss dafür tief ins Portemonnaie greifen: 10'800 Franken kostet das Paket «Technik», welches neben der Allradlenkung unter anderem einen aktiven Wankstabilisator sowie ein Bose Soundsystem enthält. Ein sinnbildliches Detail, denn beim SQ7 wird mit der grossen Kelle angerührt, wobei Extrawünsche entsprechend Kleingeld kosten.

Elektrisierender Selbstzünder

Eine Wucht ist auch der 4,0-Liter V8-Biturbo mit 435 PS und 900 Nm, welcher seit dem Debüt 2016 den SQ7 antreibt und dies auch nach dem Facelift tut, neu aber von einem 48-Volt-Bordnetz unterstützt wird. Ob ein Diesel generell das passende Aggregat für ein S-Modell ist, sei dahingestellt. Dem Fullsize SUV steht der kräftige Selbstzünder aber ausgezeichnet, und hievt die über 2,6 Tonnen in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h. Wer will, kann der 8-Stufen-Automatik mittels Paddels dazwischenfunken, notwendig ist dies aber kaum. Wir gingen es ohnehin gemütlich an, obwohl Helfer wie die oben erwähnte Wankstabilisierung den Fullsize-SUV wie auf Schienen durch die Kurven geleiten.

Von hart bis zart

Verantwortlich für das frühzeitige Ende der Sportstunde ist das empfindliche Rückgrat unseres Beifahrers, welcher trotz der herrlichen S-Sportsitze (3520 Franken) im brettharten «Sportmodus» nach wenigen Minuten das Handtuch warf. Wir schalten auf «Comfort», worauf sich die Luftfederung (serienmässig) von ihrer sanften Seite zeigt. Dies schont neben dem Rücken auch das Portemonnaie: mit 8,5 Liter Testverbrauch blieben wir gar unter dem angegebenen Werksverbrauch von 9,6 Liter /100 Kilometer. Unter Vollbesetzung, wohlbemerkt, was beim SQ7 bis zu sieben Personen (3. Sitzreihe +1980 Franken) oder 2050 Liter Gepäck bedeutet. Das Kofferraumvolumen verspricht auf dem Papier unendliche Weiten, ist aber schneller aufgebraucht als gedacht, wie ein Wochenendausflug zu viert ins Simmental ergab.

Digitales Durchstyling

Die eigentlichen Neuerungen im Zuge der Überarbeitung wollen wir natürlich nicht vorenthalten, wobei diese sich beim Design auf Details beschränken: Leuchten und Lufteinlässe kommen nun im Stile des SUV-Coupés Q8 daher, der Grill wirkt mit vertikalen Doppellamellen aggressiver, während das Heck durch ovale statt eckige Endrohren abgerundet wird. Im Innenraum schreitet die Digitalisierung voran: digital Cockpit samt Performance-Ansicht, Touchscreen- und Sprach-Bediensystem, bekannt aus dem Q8, halten Einzug. Das serienmäßige «MMI Navigation plus» ist dank LTE Advanced vernetzt und ermöglicht die Einrichtung eines WLAN-Hotspots.

Alles hat seinen Preis

Bezüglich Haptik und Optik gibt sich der überarbeitete SQ7 keine Blösse, die Rückmeldung des Touchscreens sowie die Menüführung via zwei Bildschirmen ist hingegen gewöhnungsbedürftig, und erfordert beispielsweise bei der Zieleingabe ins Navi viel Aufmerksamkeit auf den Bildschirm statt auf die Strasse. Beinahe Ablenkungsfrei funktioniert die Spracheingabe, welche einem praktisch jeden Wunsch von den Lippen liest. Ein frommer Wunsch dürfte für viele auch der Besitz des Audi SUV-Flaggschiffs bleiben: ab 113'400 Franken geht’s los, unseren Testwagen knackte gar die 150'000 Franken Marke.

Was uns gefällt:

Ob Technik, Motor, Platzangebot oder Luxus – der Audi SQ7 überzeugt, wobei als Highlights die Vierachslenkung sowie der kernige 4.0 Liter V8-Biturbo zu nennen wären.

Was uns weniger gefällt:

Lediglich Details wie die schläfrige Start-Stopp-Funktion oder der wenig souveräne Spurassistent – man muss das Haar jedoch in der (teuren) Suppe suchen.  

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Bildergalerie Audi SQ7

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