Wie lange müssen Elektroautos wirklich laden?

Ein Benzin-Fahrzeug ist innerhalb weniger Minuten aufgetankt. Bei einem E-Mobil kann das hingegen Stunden dauern. Wir erklären, wovon die Ladezeit abhängt und weshalb es grosse Unterschiede gibt.

Wie lassen sich die Ladezeiten bei Elektroautos berechnen?

Die verschiedenen Lademöglichkeiten in der Übersicht

Aufgepasst: Diese Faktoren beeinflussen zusätzlich die Ladedauer

Fazit zur Ladedauer von Elektroautos: Schneller ist nicht immer besser

Wer ein Auto mit Elektroantrieb kauft, muss gut planen können. Einerseits kommt man mit einer vollen Batterie in der Regel weniger weit als mit einem vollen Benzintank. Andererseits kann man den Tank nicht bei allen Tankstellen auffüllen, sondern benötigt spezielle Ladestationen. Wer sich für ein Elektrofahrzeug interessiert, sollte deshalb nicht nur über den Verbrauch dieser Fahrzeuge Bescheid wissen, sondern auch über die entsprechenden Ladezeiten. Nur so können Sie herausfinden, ob ein E-Mobil Ihren Anforderungen entspricht und Ihrem Tagesablauf gerecht wird.

Wie lassen sich die Ladezeiten bei Elektroautos berechnen?

Für die Berechnung der Ladedauer müssen Sie zuerst die Grösse Ihres Akkus kennen. Meist liegt diese zwischen 20 und 100 Kilowattstunden. Sie finden die entsprechende Angabe in der Beschreibung Ihres Fahrzeugmodells. Dabei müssen Sie beachten, dass die Akkugrösse immer ein Kompromiss ist: Mit einer grossen Batterie können Sie zwar weiter fahren, müssen beim Vollladen aber auch länger warten.

Um die Ladedauer zu berechnen, sollten Sie zudem über die Ladeleistung Bescheid wissen. Diese ist von der Stromstärke und der Spannung abhängig. Es kommt also darauf an, ob Sie Ihr Auto zu Hause in die normale Haushaltssteckdose einstecken, eine Wallbox installiert haben oder Ihr Elektroauto an einer speziellen Ladestation mit Wechsel- oder Gleichstrom aufladen. Auch hier sind die Unterschiede riesig: Während Sie aus einer Haushaltssteckdose in der Schweiz etwa 2,3 Kilowatt Leistung bekommen, sind es bei einem Tesla-Supercharger mehr als 120 Kilowatt. Angaben zur Ladeleistung finden Sie in den Details einer Station. Einige Ladestationen in Europa bieten sogar 350 kW Ladeleistung an. Allerdings gibt zu diesem Zeitpunkt in 2020 kaum Fahrzeuge, die in der Lage sind so schnell Strom nachladen zu können.

Ihre Ladedauer können Sie jetzt mit dieser einfachen Formel berechnen:

Ladezeit (Stunden) = Akku-Kapazität (kWh) / Ladeleistung (kW)

Das heisst konkret, dass Ihr Tesla mit einer 100kWh-Batterie an einem Supercharger rund 50 Mal schneller lädt als an einer Haushaltssteckdose (50 Minuten statt 43 Stunden). Im Vergleich dazu ist der 10kWh-Akku eines Stadt-Flitzers zehn Mal schneller aufgefüllt als die 100kWh-Batterie eines Teslas. Seien Sie aber vorsichtig: Bei dieser simplen Rechnung müssen noch diverse weitere Faktoren beachtet werden. Mehr dazu erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Kurz und knapp:

  • Ladezeit (Stunden) = Akku-Kapazität (kWh) / Ladeleistung (kW)
  • Mit einer grossen Batterie fahren Sie weiter, müssen aber beim Vollladen länger warten
  • Die Leistung Ihrer Ladestation kann stark variieren und ist entscheidend für Ihre Ladezeit

Die verschiedenen Lademöglichkeiten in der Übersicht

Die Ladezeiten zu Hause

Grundsätzlich ist es möglich, ein Elektroauto zu Hause an einer Haushaltsteckdose aufzuladen. Das ist bequem und ohne spezielle Anschaffungen möglich. Allerdings haben wir bereits bei unserem Rechenbeispiel im oberen Abschnitt festgestellt, dass die Ladedauer bei lediglich 2,3 Kilowatt ziemlich lange dauert. Zudem sind normale Kabel nicht dafür gemacht, während mehrerer Stunden so viel Strom zu transportieren. Es kann dadurch zu Defekten und sogar zu Kabelbränden kommen. Viele Besitzer von Elektroauto bauen deshalb eine «Wallbox» bei sich zu Hause ein. Diese wird manchmal auch «Wandladestation» oder «Wall Connector» genannt. Man schliesst sie direkt an das 400-Volt-Starkstromnetz an. Dadurch können Sie Ihr Fahrzeug mit einer höheren Leistung laden (10-20 Kilowatt) und entsprechend Ihre Ladedauer minimieren. Ein Rechenbeispiel zeigt, dass sich diese Investition lohnen kann: Wenn Sie Ihre 20kWh-Batterie an der normalen Steckdose aufladen, dauert eine Vollladung rund acht Stunden. Mit einer 20kW-Wallbox ist der Akku hingegen nach bereits einer Stunde wieder voll. Wie hoch die Ladeleistung Ihrer Wallbox ist, hängt von den Stromleitungen vor Ort ab.

Die Ladezeiten an öffentlichen Ladestationen

Elektroautos verbreiten sich in der Schweiz immer stärker. Dadurch gibt es auch immer mehr öffentliche Ladestationen, wo sich E-Fahrzeuge laden lassen. So können Sie Ihr Gefährt zum Beispiel volltanken, während Sie gleichzeitig Ihren Einkauf erledigen oder an einem Termin sind. Wie schnell Ihr Auto an diesen Ladestationen aufgeladen wird, hängt erneut von der Leistung der Ladestationen ab. In der Schweiz bieten die meisten öffentlichen Ladestationen zwischen 11 und 50 Kilowatt Leistung. Ausserdem spielt die Stromart eine Rolle bei der Dauer des Ladevorgangs. In Europa gibt das Stromnetz in der Regel Wechselstrom ab. Ihr Autoakku benötigt jedoch Gleichstrom, um sich aufladen zu können. Dies wird dann entweder durch die Technologie im Elektroauto umgewandelt oder indem das Ladesystem selber Gleichstrom liefert. Dies ist zum Beispiel bei den Superchargers von Tesla, welche bis zu 150 Kilowatt liefern können, der Fall.

Aber Achtung: Wenn Sie Ihren Wagen sehr häufig an Schnellladestationen einstecken, kann das eine Belastung für Ihre Autobatterie sein. Im Extremfall kann es sogar zu Akkuschäden kommen. Zudem wird die Batterie bei Schnellladestationen meist nicht auf 100 Prozent geladen, sondern nur auf etwa 80 Prozent. Ansonsten wäre die Spannung zu hoch. Behalten Sie dies im Hinterkopf, wenn Sie den nächsten Ausflug mit Ihrem Elektrofahrzeug planen.

Aufgepasst: Diese Faktoren beeinflussen zusätzlich die Ladedauer

Wir können jetzt in der Theorie berechnen, wie lange die Ladezeit sein sollte. In der Praxis variiert diese Dauer aber stark. So ist zum Beispiel die Ladeleistung nicht immer konstant und die Ladezeit wird entsprechend länger. Die folgenden Faktoren beeinflussen die Ladedauer Ihres Elektroautos zusätzlich.

Anforderungen Ihres Fahrzeugmodells

Nicht jedes Auto kann die volle Leistung von Schnell-Ladestationen beziehen. Dies hat ebenfalls einen Einfluss auf die Ladedauer. Die im Fahrzeug verbaute Ladetechnik bestimmt letztendlich, wie die zur Verfügung gestellte Leistung der Ladestation genutzt wird. So gibt es unterschiedliche OnBoard-Lader mit unterschiedlichen Ladeleistungen. Die genauen Angaben dazu finden Sie in der Fahrzeugbeschreibung oder in der Gebrauchsanweisung.

Wetter beziehungsweise die Aussentemperatur

Am besten funktionieren die Batterien von Elektroautos bei einer Aussentemperatur von 15-25°C. Ist es viel wärmer oder viel kälter, laufen die elektrochemischen Prozesse innerhalb des Akkus weniger effizient ab und Sie müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Hier können interne Kühl- und Heizsysteme dem Akku helfen, in seiner Komfortzone zu bleiben. Jedoch bieten nicht alle Hersteller diese an oder sie sind teilweise aufpreispflichtig.

Der Akku-Ladestand

Die oft beworbene maximale Ladegeschwindigkeit gilt für den idealen Ladestand zwischen 20 und 80 % der gesamten Akkukapazität. Für Batterien, die weniger als 20 oder mehr als 80 % Energie beim Ladevorgang aufweisen, drosselt die Bordelektronik die Ladegeschwindigkeit, um eventuellen Schäden vorzubeugen.

Fazit zur Ladedauer von Elektroautos: Schneller ist nicht immer besser

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine Vielzahl an Faktoren wie Ladeleistung, Temperatur und Akkustand, die reale Ladedauer Ihres Elektroautos beeinflussen. Generell gilt, dass “langsames” Laden in puncto Akkugesundheit dem schnelleren Laden vorzuziehen ist. Sie sollten Ihr Elektrofahrzeug also lieber öfter über Nacht zuhause an den Strom anhängen und nur bei längeren Reisen auf Schnelllade-Technologien zurückgreifen.

Jetzt wissen Sie das Wichtigste über die Ladezeiten von E-Autos. Falls Sie sich ein solches zutun wollen, finden Sie auf AutoScout24 ein grosses Angebot an tollen E-Mobilen. In der Fahrzeugbeschreibung ist jeweils auch vermerkt, mit wie viel Leistung das Gefährt aufgeladen werden kann. 

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