FORD MONDEO - Der sparsame Gleiter

Ford gehört mit dem Fusion in den USA zu den Hybrid-Marktführern. Jetzt will der US-Autohersteller mit dem baugleichen Mondeo in Europa für Furore sorgen. Drei AutoScout24 TestDriver konnten den 187 PS starken Vollhybriden ein Wochenende lang auf Herz und Nieren prüfen. Hier ihre Eindrücke.

Zahlen zum Ford Mondeo Hybrid Station Wagon Vignale

  • Motor: 2.0-l-Benzin-Hybrid

  • Fahrleistung: Systemleistung 187 PS (140 PS Verbrenner + 57 PS Batterie), 173 Nm ab 2000 U./min

  • Getriebe: stufenloses CVT-Getriebe

  • Antrieb: Frontantrieb

  • Verbrauch: 5 l/100 km (Werksangabe)

  • CO2-Emissionen: 101 g/km

  • Kofferraumvolumen: 460 Liter / 1336 Liter (mit heruntergeklappten Rücksitzen)

  • Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4‘871 mm / 1‘852 mm / 1‘501 mm

  • Leergewicht: 1‘874 kg

  • Basispreis: ab CHF 52‘700 (Edition Trend ab CHF 40‘200)

  • Preis Testwagen: CHF 54‘110

Vollhybride wie der getestete Ford Mondeo Hybrid haben zwei Motoren - einen Verbrenner und einen Elektromotor. Der Vorteil des kombinierten Antriebes liegt darin, dass durch die perfekte Zusammenarbeit der beiden Aggregate sowohl ein hoher Wirkungsgrad als auch eine Verbrauchseinsparung erzielt werden.

Seit kurzem mischt Ford im Hybrid-Wettbewerb mit und bringt mit dem Mondeo ein attraktives Modell an den Start. Wie sich der Hybrid von Ford fährt, konnten drei AutoScout24 TestDriver ein Wochenende lang ausprobieren. Ihnen stand der Station Wagon (Kombi) in der luxuriösen Vignale-Version zur Verfügung.

Drei Hybrid-Neulinge

Einen Vollhybriden gefahren war vor dem Test allerdings keiner der drei. Thomas (59) ist Busfahrer und fährt privat einen Renault Scénic. Der Berufschauffeur steht alternativen Antrieben grundsätzlich positiv gegenüber. Er besass einst einen Fiat Panda mit Erdgasantrieb. Reine Elektroautos findet er allerdings problematisch. Thomas: «Ich fahre auch privat oft lange Strecken und will nicht auf Stromtankstellen angewiesen sein.» Pierre (67) lenkt einen Mazda CX-9 und ist noch nie einen Hybriden gefahren – und auch noch keinen Ford. Alex (47) hingegen kennt Ford bestens, er besitzt einen Focus Kombi.

Unterschiedliche Erwartungen

Die Erwartungen der drei Tester an den Antrieb und den Ford Mondeo waren sehr unterschiedlich. Für Thomas muss man mit dem Hybriden auf Kurzstrecken und in der Stadt vorwiegend elektrisch unterwegs sein können. Pierre war gespannt, wie sich der Hybrid im Vergleich zum Verbrenner schlägt und ob der Treibstoffverbrauch wirklich niedriger ist. Und Alex meinte: «Für mich zählt vor allem das Platzangebot. Und da bietet der Mondeo Kombi sicher einiges».

Elegante Formen

Exterieur und Interieur des grossen Kombis gefallen den Hobby-Autotestern gut. Thomas lobt die Eleganz und die schöne Linienführung innen wie aussen. Weil für ihn das Auto vor allem Arbeitsinstrument ist, muss es aber gar nicht schön sein. Der Test-Mondeo mit seinen schicken Vignale-Designelementen wäre ihm zu schade. Alex fühlt sich vor allem vom auffälligen Kühlergrill angesprochen: «Der grobmaschige Grill lässt den Wagen von vorne sehr präsent wirken.»

Grosses Ablenkungspotenzial

An die Bedienung des topmodernen Infotainmentsystems mussten sich die AutoScout24 TestDriver zuerst einmal gewöhnen. Thomas findet, dass es fast etwas zu viel Informationen gibt und man daher vom Fahren abgelenkt wird. «Als Autotester habe ich mich vielleicht stärker als gewöhnlich auf die Funktionen konzentriert. In der Praxis hätte ich mich vermutlich nicht so stark ablenken lassen», relativiert Thomas. Auch Pierre fühlt sich durch die Informationsflut stark abgelenkt. Und die Bedienung der Klimaanlage über den Touchscreen findet er zu umständlich. Pierre: «Da würde ich mir mehr physische Knöpfe oder Schalter wünschen.» Die einfache Anbindung des Smartphones ans Infotainmentsystem sowie das tolle Audiosystem gefällt ihm hingegen bestens.

Eingeschränkter Kofferraum

Beim Platzangebot für Passagiere und Gepäck vermag der Ford Mondeo Hybrid Kombi die Tester nicht ganz zu überzeugen. Alex, für den ja vor allem das Raumangebot zählt, ist nur beschränkt zufrieden: «Die Batterie frisst ziemlich viel Kofferraumvolumen. Für ein verlängertes Wochenende mit der Familie dürfte der Hybrid-Kofferraum zwar gross genug sein. Für längere Ferien könnte es knapp werden.» Das sieht auch Thomas so, für den der Testwagen trotz Kombiheck kein typisches Familienauto ist. «Von so einem grossen Kombi hätte ich etwas mehr Stauraum erwartet», so Thomas. Und auch Pierre, der von seinem grossen Mazda SUV CX-9 platzmässig verwöhnt ist, findet dass die Hybridbatterie sehr viel Platz beansprucht und das Kofferraumvolumen übermässig einschränkt.

Lautlos und wintertauglich

Durchwegs positiv beurteilen die TestDriver den Fahrkomfort des Ford Mondeo Hybrid. Thomas und Pierre loben das sanfte und beinahe lautlose Dahingleiten bei langsamer Fahrt. Alex gefällt, dass der Wagen auch bei Autobahntempo sehr ruhig läuft. Beim starken Beschleunigen fühlten sich die Tester allerdings durch den laut aufheulenden Motor und das Gummibandgefühl gestört. Thomas: «Bis die avisierte Geschwindigkeit erreicht ist, tönt das Auto etwas gequält.» Alex und Thomas sind von den Fahreigenschaften auf Schnee begeistert. Beide fuhren bei winterlichen Strassenverhältnissen auf Bergpässe, Thomas auf den Brünig, Alex auf den Jaunpass. Und beide loben das problemlose Anfahren auf Schnee - auch ohne Schneeketten.

Ausgesprochen sparsam

Der per Bordcomputer gemessene Durchschnittsverbrauch lag bei allen AutoScout24 TestDrivern um die sechs Liter auf 100 Kilometer. Thomas hat für eine reine Überlandfahrt sogar nur 3,9 Liter gebraucht. Pierre: «Das sind halt schon Welten. Mit meinem Auto brauche ich im Schnitt zehn Liter mehr.» Auch Alex ist von den sechs Litern begeistert. «Und das trotz nicht allzu sparsamer Fahrweise. Ich bin überzeugt, dass da gut noch weniger möglich wäre», so Alex. Er findet es auch ziemlich beeindruckend zu sehen, wie schnell die Batterie rekuperiert und das Auto so wieder einige Kilometer rein elektrisch unterwegs ist.

Fehlende Frontkamera

Der grosse Kombi zu manövrieren, hatte den TestDrivern einiges abverlangt. Für den Berufschauffeur Thomas stellten die Manöver aber kein Problem dar. «Als Busfahrer habe ich natürlich Übung. Doch um den knapp 4,9 Meter langen Mondeo seitwärts einzuparken erfordert es ein gutes Auge und eine sichere Hand», erklärt Thomas mit einem Schmunzeln. Auch Pierre ist sich dank seines Mazda CX-9 grosse Autos gewohnt. Entsprechend hatte er keine Probleme das Auto zu manövrieren oder zu parkieren. Thomas und Pierre vermissten jedoch eine Frontkamera. Pierre: «Vor allem das Vorderteil des Mondeo ist unübersichtlich. Die Abstandswarner haben zwar gut funktioniert, doch hätte ich es geschätzt, nach vorne schauen zu können.» Thomas: «Es braucht wirklich viel Gespür für die Front.» Auch Alex findet den Wagen etwas unübersichtlich, deshalb hat er vor allem den Parkassistenten benutzt. «Das System ist absolut genial. Es misst die Parklücke aus und lenkt dann selbstständig ein. Der Fahrer braucht nur noch Gas und Bremse zu betätigen. Besonders wer vor dem Seitwärtsparkieren Respekt hat, wird diese Hilfe zu schätzen wissen», ist sich Alex sicher.

Unterschiedlich beliebte Assistenten

Die weiteren serienmässigen Assistenzsysteme wie Abstandstempomat oder Spurhalter kamen unterschiedlich gut an. Für Thomas funktionierten beide Assistenten korrekt und zuverlässig. Pierre hingegen hatte etwas Mühe mit der Bedienung: «Leider habe ich ohne Studium der Bedienungsanleitung nicht herausgefunden, wie man den Spurhalter ausschaltet. Ausserdem ist der Bedienhebel nicht sehr intuitiv gestaltet», erklärt Pierre.

Fazit

Thomas: Der Ford Mondeo Hybrid Station Wagon überzeugte den 59-jährigen Buschauffeur beim Verbrauch und beim Komfort, hier vor allem wegen der ausgeprägten Laufruhe. Für Thomas wäre der Ford aber nicht das passende Auto. Unter anderem ist für ihn als Busfahrer die Sitzposition zu tief. In Thomas Augen ist der Mondeo Hybrid für Personen geeignet, die vorwiegend kürzere Strecken und Überlandpassagen fahren und dabei nicht auf Komfort verzichten möchten. Thomas: «Weil der Ford auch nicht besonders spritzig fährt, ist er auf Automobilisten zugeschnitten, die vor allem Wert auf einen tiefen Verbrauch legen.»

Pierre: Bremsen, Ansprechverhalten des Motors und Komfort haben Pierre vollumfänglich überzeugt. Etwas gestört hat ihn der grosse Keil in der Frontscheibe, an dem der Rückspiegel montiert ist und so ein ziemlich grosser toter Winkel entsteht. Insgesamt hatte der 67-jährige aber viel Freude am Auto. «Klar, diese Technologie hat ihren Preis, aber mehr als 50‘000 Franken ist mir etwas zu viel.» Kaufen würde er sich das Auto auch bei einem tieferen Preis wohl eher nicht, denn für Pierre ist Allradantrieb ein Muss. Insgesamt hat ihn der Hybridantrieb aber überzeugt. Besonders die Tatsache, dass man im Vergleich zu einem vollelektrischen Auto keine langen Ladezeiten in Kauf nehmen muss und auf Langstrecken nicht von Ladesäulen abhängig ist.

Alex: Das Hybridsystem hat den 47-jährigen absolut überzeugt. Für Alex ist nach dem Probefahrtwochenende klar, dass sein nächstes Auto ein Hybrid sein wird. Vor allem gefallen haben ihm der tiefe Verbrauch, das Wissen, etwas umweltschonender unterwegs zu sein, und die Art und Weise, wie das Auto versucht, mittels dem Verbrauchstrainer den Fahrer spielerisch zu einer benzinsparenden Fahrweise zu bewegen.

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Bildergalerie Ford Mondeo Hybrid Stationwagon

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