MERCEDES-BENZ EQC - SUV unter Strom

Mit dem EQC lanciert Mercedes im Sommer das erste Modell der vollelektrischen EQ-Baureihe. Bis 2022 sollen neun weitere folgen. Auf einer ersten Probefahrt mit dem E-SUV konnte AutoScout24 einen Blick in die elektrische Zukunft des Stuttgarter Autobauers werfen.

Zahlen zum Mercedes EQC

  • Motor: Asynchron-Elektromotor, 80 KWh mit 408 PS/760 Nm

  • Antrieb: Allrad

  • Getriebe: stufenlose Automatik

  • Fahrleistungen: 0-100 km/h 5,1 s, Spitze 180 km/h

  • Masse: 4,76 Meter Länge, 1,88 Meter Breite, 1,62 Meter Höhe, Gewicht 2495 kg, Kofferraum 500 Liter

  • Verbrauch/Reichweite: 20,0 kWh/100 km (450 km Reichweite)

  • Preis: ab 84’900 Franken

  • Konkurrenten: Audi e-tron, Jaguar i-Pace, Tesla Model X

  • Stand: 15.05.2019

Wem der Mercedes EQC gefällt

Der Mercedes EQC teilt sich die Plattform mit dem herkömmlich angetriebenen GLC und ist wie dieser ein SUV. Wer bereits einen GLC fährt oder sich einen anschaffen möchte, der hat nun eine attraktive elektrische Alternative.

Elektroplattform in Entwicklung

Der EQC baut also auf keiner elektrospezifischen Plattform auf, sondern basiert auf einem Verbrenner. Dadurch kann er nicht von den Vorteilen der effizienteren Raumausnutzung profitieren und verfügt über einen herkömmlichen Vorderwagen mit Motorhaube. Eine eigenständige Plattform für Elektrofahrzeuge befindet sich bei Mercedes noch in der Entwicklung. Übrigens basiert auch der aktuelle Audi e-tron auf einer herkömmlichen Plattform, einzig der Jaguar i-Pace wurde komplett neu aufgebaut. Allerdings können die potenziellen Kunden von den Ähnlichkeiten zwischen EQC und GLC auch profitieren. So gibt es keine Engpässe bei der Produktion, denn der EQC ist in der laufenden Serienfertigung integriert.

LED-Lichtbänder als Erkennungszeichen

Verwechslungsgefahr zwischen den beiden SUV besteht aber nicht. Denn die Front des EQC ist völlig neu. Auffällig ist die grosse schwarze Fläche, die Scheinwerfer und Kühlergrill umschliesst. Dadurch wirkt die EQC-Front bulliger. Ausserdem sind die Tagfahrlichtgrafiken komplett verschieden, beim Elektro-SUV gibt es ein LED-Lichtband als optische Verbindung der beiden Lichter. Die Heckpartie wirkt mehr wie aus einem Guss und die Dachlinie ist etwas weiter heruntergezogen – ein Mix aus gewöhnlichem GLC und GLC Coupé. Ein Hingucker ist das rote LED-Lichtband zwischen den Rücklichtern.

«Hey Mercedes» serienmässig

Auch das Interieur weist Ähnlichkeiten mit dem GLC auf. Futuristisch, wie man es sich vielleicht von einem neuen Elektroauto erwartet, ist der EQC-Innenraum nicht. Im Zentrum steht das MBUX-Infotainmentsystem (im EQC Serie) mit dem grossen, querliegenden Display und der intelligenten Sprachsteuerung. Auffällig sind die Lüftungsdüsen, diese sind nämlich nicht rund wie in allen neueren Mercedes, sondern flach. Auch wenn der EQC nicht auf einer spezifischen E-Plattform steht, ist das Platzangebot etwas grosszügiger als im GLC, bei gleichem Radstand (2,87 m) ist der Stromer gut 10 cm länger (4,76 m). Mit 500 Litern ist auch der Kofferraum des E-SUV gross genug für eine Reise mit der ganzen Familie.

Sportlich trotz 2,5 Tonnen

Herzstück des Mercedes EQC ist sein Antrieb, der aus zwei Asynchron-Elektromotoren besteht. Dabei ist ein Aggregat an die Vorder-, das andere an die Hinterachse gekoppelt. Die beiden Motoren leisten zusammen 408 PS und stemmen ein maximales Drehmoment von 760 Nm. Dank Torque-Shifting wird die Kraft optimal zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, so fährt sich der EQC sportlich und sicher wie ein gewöhnlicher Allradler. Dank der Kombination aus maximaler Traktion und Mega-Drehmoment sprintet der E-SUV trotz 2,5 Tonnen Leergewicht in sagenhaften 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Wir konnten den Kickdown auf einer abgesperrten Start- und Landebahn ausprobieren – so muss es sich für den Militärpiloten anfühlen, wenn er mit dem Jet vom Flugzeugträger aus startet. Verschärft wird die Dynamik durch den tiefen Fahrzeugschwerpunkt, der durch die im Unterboden platzierte Lithium-Ionen-Batterie erreicht wird.

80 Prozent in 40 Minuten

Der Akku ist 80 kWh gross und sorgt für eine theoretische Reichweite von 450 km. Auf der Probefahrt rund um Oslo bei nasskaltem Wetter (5 Grad und Dauerregen) zeigte der Bordcomputer aber auch bei 100 Prozent Ladestand nur knapp 300 km Reichweite an. In der europäischen «Hauptstadt der Elektromobilität» reicht das aber gut. Hier gibt es an vielen gewöhnlichen Tankstellen Schnellladestationen mit über 100 kW Ladeleistung. Die Ladezeit von 10 bis 80 Prozent Batteriestand dauert so höchstens 40 Minuten. Bei den Schnellladern arbeitet Mercedes mit Ionity zusammen, die über ein paneuropäisches Schnellladenetz mit momentan 93 Ladeparks verfügen – darunter sieben in der Schweiz. In ganz Europa sind 50 weitere in Planung, dereinst sollen es 400 werden. Dank dem Dienstleistungspaket «Mercedes me Charge» hat der EQC-Fahrer per Ladekarte, per App oder direkt aus dem Auto heraus bequemen Zugang zu den Ladestationen ohne unterschiedliche Verträge.

Spezieller Schweizer Service

Der Mercedes EQC lässt sich aber auch an gewöhnlichen Steckdosen und an Wallboxen zu Hause laden. Das dauert dann allerdings etwas länger. In der Schweiz bietet Mercedes dabei einen besonderen Service: Wer einen EQC kaufen will, erhält Besuch vom Energiedienstleister Alpiq, der die Voraussetzungen für die Installation einer Wallbox zu Hause checkt und diese auf Wunsch und beim definitiven Kauf dann auch montiert.

Gaspedal hilft sparen

Mercedes nimmt den potenziellen EQC-Fahrern auch mit anderen Massnahmen die Reichweitenangst. So verfügt der E-SUV über fünf verschiedene Rekuperationsstufen – von D - - (starke Rekuperation) bis D+ (segeln). Die Modi lassen sich einfach über die Schaltwippen hinterm Lenkrad anwählen. Ausserdem gibt es eine automatische Rekuperation (D Auto), die zusammen mit dem Eco Assistenten, der Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen von Radar und Kamera vernetzt, für maximale Fahr-Effizienz und Reichweite sorgt. Unterstützt wird der Fahrer dabei zusätzlich von einem intelligenten Gaspedal, das mit haptischer Rückmeldung bei der Einhaltung der Geschwindigkeit hilft, damit man die nächste Ladestation oder das Ziel erreicht.

Was uns bestens gefällt

Der Mercedes EQC sieht aus wie ein normales Auto und fährt sich auch so. Klar, für den Massenmarkt ist er mit einem Basispreis von 85'000 Franken zu teuer. Doch was das Lademanagement und die Reichweitenoptimierung betrifft, setzt der E-SUV von Mercedes neue Massstäbe.

Was uns weniger gefällt

Das hohe Gewicht von 2,5 Tonnen wirkt sich dank der schieren Motorenpower zwar nicht auf die Fahrleistungen aus. Die Reichweite wäre bei 1000 kg weniger ungleich höher. Doch wenn allein die Batterie 650 kg wiegt, wird es schwierig mit abspecken.

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Bildergalerie Mercedes-Benz EQC

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