Normverbrauch - Norm vs. Realität

Kaum ein Automodell erreicht den Normverbrauch im realen Verkehr. Die Gründe für die Diskrepanz zwischen Test und der Realität.

Herstellerübergreifende Norm

Eigentlich nicht, denn der für die Zulassung eines Autos europaweit vorgeschriebene NEFZ ist normiert. Er dauert rund 20 Minuten und besteht aus einer Innerortsphase mit zwölf Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgängen bis zum Stillstand. Dazu kommt eine Ausserortsphase, in der kurzzeitig Tempo 120 erreicht wird.

Die Fahrwiderstände des jeweiligen Modells werden dabei am Prüfstand eingestellt. Geschaltet wird bei vorgegebenen Geschwindigkeiten, für Automaten gibt es keine Vorgabe. Auch wenn der NEFZ nicht ganz realitätsnah ist, erlaubt er also doch einen Effizienzvergleich.

3 Liter auf 100 km? Dürfte der Porsche 918 Spyder nur in der Theorie erreichen. 3 Liter auf 100 km? Dürfte der Porsche 918 Spyder nur in der Theorie erreichen.

Optimiert für den Test, nicht die Realität

Zumindest theoretisch, denn die Praxis sieht anders aus.Laut Christian Bach, Abteilungsleiter Verbrennungsmotoren bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA, begünstigt der NEFZ Hybridmodelle. Vor allem, weil mit voller Batterie gestartet wird und in der Innerortsphase der spritsparende Elektroschub zur Geltung kommt. Modelle mit automatischem Doppelkupplungsgetriebe seien beim NEFZ ebenfalls im Vorteil.


So streiten verschiedene Hersteller gar nicht ab, dass bei der Auslegung von Ökomodellen der NEFZ im Fokus liegt. Da muss der Tester wie der Kunde scheitern, wenn er im Alltag die NEFZ-Werte mit jedem Auto erreichen möchte.

Das soll sich künftig ändern: Geplant ist, dass noch in diesem Jahrzehnt ein weltweit standardisierter WLTP-Verbrauchszyklus den NEFZ ersetzen soll. Das Kürzel steht dabei für "Worldwide harmonized Light duty Test Procedure".

Der Faktor Mensch

Doch nicht einmal das wird garantieren, dass sich die ausgewiesene Effizienz in der Praxis niederschlägt. Denn da ist noch der Faktor Mensch. Laut Peter Koch, Ecodrive-Experte und Chef von Driving Center Schweiz, beeinflusst er bei identischer Strecke und Fahrzeit durch die Art des Gasgebens und das Setzen der Schaltpunkte den Verbrauch um 10 bis 20 Prozent.

Gewisse Autohersteller haben daher bereits begonnen, das menschliche Verhalten in ihr Ökokonzept einzubinden, sprich: den Fahrer zur sparsamen Fahrweise zu animieren. Paradebeispiel ist der Honda CR-Z. Mit seinem Elektroschub aus dem Stand, einem fahrerisch aber eher langweiligen Drehzahlbereich animiert er zu frühem Hochschalten. Mit einer Effizienzanzeige, bei der zum Beispiel bei sparsamer Fahrweise Bäumchen im Display erscheinen, macht er Sparen zum Sport.

Solche Tricks können helfen, umweltbewusster zu fahren. Doch grundsätzlich gilt immer noch: Wer wenig verbrennen will, muss sich immer seines Fahrstils bewusst sein. Die alte Geschichte mit dem Ei unter dem Gasfuss ist laut Koch allerdings überholt. Zügig Gas geben, früh hochschalten, lautet die Devise.

Wieder mal hat die Redaktion der auto illustrierten an einem Testwagen einen Durchschnittsverbrauch ermittelt, der drei Liter über dem Herstellerwert liegt. Herstellerwert – oder auch Normverbrauch – nennt sich die Angabe, welche für das entsprechende Modell auf dem Prüfstand ermittelt wird. Mittel zum Zweck ist dabei stets der „Neue Europäische Fahrzyklus“, kurz NEFZ.

Solche Unterschiede sind kein Einzelfall: Bei Fahrzeugtests liegt der Ist-Wert immer wieder deutlich über dem Soll. Nur gelegentlich egalisiert ein Modell den Wert. Woran liegt das? Ist die herstellerübergreifende NEFZ-Angabe im Datenblatt nur Augenwischerei?