Renault – Intelligente Stromversorgung

Mit E-Autos und gebrauchten Akkus will Renault der kleinen Atlantik-Insel Porto Santo helfen, die Stromversorgung von Dieselgenerator auf Wind- und Solarstrom umzustellen.

Im ersten Moment hört es sich irgendwie verkehrt an: Renault will mit Elektroautos die Stromversorgung revolutionieren. Dabei erhöhen E-Autos doch den Stromverbrauch? Schon, aber sie sind auch mobile Stromspeicher, die sowieso die meiste Zeit des Tages nur herumstehen und in dieser Zeit der Stromversorgung einen guten Dienst erweisen können. All das testet Renault auf der Atlantik-Insel Porto Santo zusammen mit der lokalen Administration, dem Elektrizitätswerk und der deutschen Firma Mobility House.

Versuchslabor im Atlantik

Das portugiesische Porto Santo liegt 42 Kilometer nördlich von Madeira. Das afrikanische Festland liegt über 700 Kilometer weit östlich – und so muss die kleine Atlantikinsel ihren Strom selber produzieren. Auf dem elf Kilometer langen, sechs Kilometer breiten Eiland leben 5500 Personen mit rund 1000 Fahrzeugen. «Dadurch eignet sich die Insel ideal als Versuchslabor», erklärt Eric Feunteun, Direktor des Renault-E-Auto-Programms: «Das Stromnetz reagiert schnell auf kleinste Veränderungen, und wir sehen sofort, welche Auswirkungen ein höherer Anteil Elektroautos hat.»

Problem erneuerbare Energien

Heute besteht die Energieversorgung aus einer Solaranlage mit 11’000 Zellen, mehreren kleineren Photovoltaikanlagen auf Dächern, einem Windrad und zwei Dieselgeneratoren. Die beiden Generatoren decken 85 Prozent des täglichen Energiebedarfs der Insel und stabilisieren das Netz. Sonne und Wind sind wetterabhängig. Dadurch können sie weder konstant Strom produzieren noch auf die Nachfrage reagieren. Das ist für ein stabiles Stromnetz aber entscheidend, weiss Feunteun: «Bei einem Ungleichgewicht droht ein Stromausfall.»

Wie Elektroautos helfen

Dank den Steuergeräten und der Software von Mobility House werden die zwanzig Elektroautos (14 Zoe, 6 Kangoo Z.E.), die Renault für das Projekt zur Verfügung stellt, aber trotzdem nur mit erneuerbaren Energien geladen. Die intelligente Stromversorgung ist elektronisch überwacht, und sobald mehr grüner Strom produziert wird als gerade benötigt, können die Stromer ihre leeren Akkus laden. Weitere überschüssige Energie wird in ausgedienten Zoe-Akkus gespeichert; dieser Strom kann auch genutzt werden, um Phasen von zu geringer Sonnen- und Windkraft zu überbrücken. Fürs Auto sind diese Akkus zwar nicht mehr geeignet, aber so lassen sie sich nochmals 10 bis 15 Jahre nutzen.

Bald ausgedient

«Alleine durch besseres Management aller Systeme können wir dieses Jahr den Anteil erneuerbarer Energien von 15 auf 25 Prozent erhöhen», ist Feunteun überzeugt. Nächstes Jahr sollen schon 35 Prozent des Stromverbrauchs grün sein. Hierfür wird bis Ende Sommer eine hausgrosse Batterie mit vier Megawatt Kapazität gebaut, um die Sonnen- und Windenergie speichern zu können. Sie soll später die Generatoren ersetzen und den konstanten Energiefluss garantieren. Dabei können im kleineren Rahmen auch bidirektionale Elektroautos helfen, die den Strom aus ihren Akkus auch wieder ins Netz einspeisen können. Zwei bidirektionale Prototypen testet Renault derzeit in Porto Santo. Bis im nächsten Jahr sollen 100 Stromer auf der Insel verkehren – zehn Prozent aller dortigen Fahrzeuge. Gleichzeitig startet Renault weitere Versuchsprojekte auf den französischen Inseln Belle-Île-en-Mer und La Réunion.

Umdenken

Um solche cleveren Stromnetze etablieren zu können, müssten die Autofahrer aber doppelt umdenken, sagt Feunteun: «Nicht nur, dass sie auf ein Elektroauto umsteigen, sie geben auch die Kontrolle darüber ab, wann ihr Auto geladen wird. Das entscheidet der Strombetreiber.» Wichtig ist, dass der Stromer immer am Ladekabel hängt, wenn er steht. Per App können die Besitzer festlegen, wann das Auto abfahrbereit sein soll, wobei die Akkus immer zu mindestens 30 Prozent geladen sein sollen, um gewisse Flexibilität zu garantieren.

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